vereinbarende geschäftspolitik

heute morgen sendete der deutschlandfunk ein kurzes feature über den forschungsstand zur “vergasung” von windenergie.

die idee dahinter ist, diskontinuierlich zur verfügung stehende windenergie in einem chemischen und elektrochemischen prozess in methan umzuwandeln, dieses in das bestehende erdgasnetz einzuspeisen und auf diese art und weise zwei fliegen mit einer klappe zu schlagen: die speicherung und den transport von umgewandelter windenergie.

der radiobericht beschreibt den stand der forschung und vermeldet, dass es derzeit noch keine über das versuchsstadium hinausgehende realisierung dieses konzepts gibt.

moment mal …

was ist denn dann mit greenpeace energy? die bewerben aktiv ihr als “proWindgas” bezeichnetes erdgas und erwecken (beabsichtigt oder nicht) den eindruck, als würden sie ihre kunden beim abschluß eines vertrages auch damit beliefern. nur wer sich die aussagen genau durchliest mag erkennen, dass eben das aber nirgends steht, sondern dass “nur” von der förderung dieser technologie die rede ist.

ich finde so eine werbestrategie unehrlich und habe greenpeace energy nun geschrieben und gefragt, ob es denn nun eine aktuelle produktion von “windgas” gibt und wenn nicht, wie die förderung im detail und umfang aussieht.

richtig spannend wird es aber auf einer weiterführenden seite des internetportals von greenpeace energy.

dort dokumentiert greenpeace energy den bezug seines erdgases vom wingas-konzern, der wiederrum je zur hälfte der BASF und GAZPROM gehört (über jeweilige tochtergesellschaften). das gas wird zu einem beträchtlichen anteil aus russland importiert und zwar über die umstrittene nordstream-pipeline in der ostsee. diese wird unter anderem auch von E.ON betrieben.

o_O

das alles finde ich in diesem zusammenhang bemerkenswert genug. mir stoßen allerdings zwei aussagen auf der eben genannten informationsseite von greenpeace energy auf. dort heißt es:

Die Geschäftspolitik von Wingas ist – losgelöst von der Frage der Eigentümer – mit den Zielen von Greenpeace Energy vereinbar. (…)

und

Wingas gehört derzeit zu den wenigen Gas-Unternehmen, die nicht im Einflussbereich der Atomindustrie stehen.

ich halte diese beiden statements für unhaltbar und irreführend, trotz und gerade des disclaimers in der ersten aussage. deshalb habe ich die ökoenergie-anbieter um ihre stellungnahme dazu gebeten.

vermutlich gehört greenpeace energy zu einem der interessanteren und unterstützenswerten energieanbieter, zumindest im vergleich mit anderen mitbewerbern. aber an dieser stelle halte ich die öffentlichkeitsdarstellung für unklar und unehrlich. aber mal schauen, was mir zurückgeschrieben wird.

 

[update]

der pressesprecher von greenpeace energy hat schnell, auch auf eine nochmalige nachfrage geantwortet.

die antworten in stichworten:

  • im moment werden die kunden von greenpeace energy noch mit 100% erdgas von wingas beliefert. eine erste probeanlage zur umwandlung von elektrischer energie in wasserstoff ist noch nicht am gasnetz angeschlossen.
  • man ist nicht froh über die verknüpfungen von wingas mit e.on, gazprom und wintershall, schätzt wingas jedoch als ein “kooperatives unternehmen”. man müsse leider mehr kompromisse eingehen, als beim agieren auf dem strommarkt.
  • man gehe auf meine kritik ein und hat deswegen einen satz auf dem internetportal wie folgt geändert: “Die Geschäftspolitik von Wingas ist – losgelöst von der Frage der Eigentümer – in großen Teilen mit den Zielen von Greenpeace Energy vereinbar: Wingas fördert zum Beispiel aktiv den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, insbesondere in Blockheizkraftwerken.” o_O
  • in 2013 will man eine weitere umwandlungsanlage, einen “elektrolyseur” in betrieb nehmen.
  • den wirkungsgrad zur umwandlung in wasserstoff schätzt man auf 80%, den (gesamt?)wirkungsgrad für eine spätere rückverstromung mittels kraft-wärme-kopplung dann nur noch auf 65%.
  • 90% der der förderbeiträge der kunden verwende man zu:
    • Bau von und Beteiligung an Anlagenkapazitäten zur Erzeugung von Windgas
    • Bau von und Beteiligung an erforderlichen Infrastrukturkomponenten zur Einspeisung von Windgas ins Erdgasnetz
    • Politische und wissenschaftliche Arbeit zur Weiterentwicklung der Windgas-Technologie und des Konzeptes Power-to-Gas
    • Interne Personalkosten inkl. Nebenkosten (Reisekosten etc.)
  • diese förderbeiträge betrugen in 2011 30.000 euro, die genaue aufteilung/gewichtung der vier unterpunkte am 90%-anteil davon kann man nicht vornehmen.
  • dass der in der selbstdarstellung gewählte einschub “losgelöst von der frage der eigentümer” sinnentleerend wirkt, sieht man ähnlich. die formulierung sei “etwas unglücklich” … aktuell (juli 2012) findet sich diese formulierung nun so nicht mehr auf dem internetportal von greenpeace energy. – na immerhin. :)

hinweis: bei der obigen grafik handelt es sich nicht um das original-logo von greenpeace energy, auch nicht um das logo von basf oder gazprom. die grafik ist ein fake, eine persiflage im sinne des beitrags.

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