rheinmetall: wirkmittel statt bomben

am letzten dienstag fand die alljährliche hauptversammlung der rheinmetall ag, des größten allein in deutschen händen befindlichen rüstungsproduzenten dieses landes statt.

zunächst einen großen dank an die menschen der „kritischen aktionäre“, die sich einen teil meiner fragen angeeignet und vorgebracht haben, denn seltsamerweise ist meine einladung zur hauptversammlung (hv) zwar angeblich von meiner bank versendet, aber nie bei mir angekommen. seltsam. auf nachfragen von mir hat auch dieses die bank nicht zur rechtzeitigen reaktion veranlasst und die rheinmetall ag sah keinen grund, von der möglichkeit gebrauch zu machen und mich auch nach offiziellem ende der anmeldefrist als aktionär mit stimm- und rederechte zu akzeptieren.

was die fragen waren und welche ergebnisse sie im einzelnen zur folge hatten, kann man hier nachlesen, ich möchte im folgenden nur einen unvollständigen überblick über die rheinmetall geben und nur im einzelfall auf interessante antworten eingehen.

 

nach einigen jahren der umstrukturierungen kann man die rheinmetall als ein aus zwei unterschiedlich ausgerichteten konzern betrachten: zum einen die kspg (kolbenschmidt pierburg automotive), die als zulieferer und teilentwickler der automobilindustrie fungiert und zum anderen die rheinmetall defence, unter deren dach mehrere unternehmen umfangreiche rüstungs-, kriegs- und militärentwicklungen und -produktionen vereinen.

beide unternehmensteile florieren derzeit bestens, nachdem die autombilsparte noch vor wenigen jahren große sorgen diesbezüglich bereitete. auf der hauptversammlung wurde angekündigt, dass man mittelfristig den konzern vollständig zu zwei einzelkonzernen aufteilen wird. rheinmetall defence wird sich also ganz auf kriegsgerät konzentrieren, der rheinmetall-konzern liegt schon heute auf der sipri-”hitparade” der umsatzstärksten rüstungskonzerne weltweit auf platz 31.

 

im folgenden ein paar subjektive und bruchstückige informationen über die rheinmetall defence:

 

„nicht-lethale“ oder „weniger-lethale“ waffen, „crowd control“ und „riot control“

rheinmetall arbeitet aktiv an der entwicklung und herstellung von laser- und mikrowellenwaffen und stellt z.b. im rahmen des hochgepriesenen projektes „infanterist der zukunft“ 40mm-munition mit blend-, blitz- und knalleffekten zur (kurzzeitigen?) paralysierung von menschen her. ebenfalls im programm: munition mit reiz- und nebelstoffen. das alles läuft selbstverständlich unter verschleiernden begriffen, wie z.b.  “infanteristisches wirkmittel”.

wollte man auf der hauptversammlung von 2010 noch überhaupt gar keine angaben zu diesen fragen machen, angeblich aus mangel an informationen (!), so bewirbt rheinmetall diese produkte inzwischen offensiv, wenn auch ausführlicher allermeist nur auf den englischsprachigen seiten. auch live-demonstrationen für das internationale publikum gehören zum repertoire der lobbyarbeit.

polizeien seien die abnehmer dieser produkte, seit neuestem aber auch militär.

taserentwicklungen, wovon 2003  und 2004 noch berichtet wurde, gäbe es angeblich keine mehr bei rheinmetall (ein “schönes” bild der waffe gibt’s hier).

ebenso sei die entwicklung der mikrowellenwaffe in kofferformat (siehe dlf-bericht aus 2003) nicht mehr weiterverfolgt worden. damals pries man diese waffe an, um gezielt elektronische schaltungen, steuerungen und computersysteme deaktivieren bzw. zerstören zu können. glaubwürdig?

laserwaffen finden bei rheinmetall inzwischen auch als hochenergiewaffe zum abschuss von drohnen anwendung.

 

drohnen

spätestens sei der neuesten intensivierten zusammenarbeit mit der eads-tochter cassidian ist klar, dass rheinmetall das drohnengeschäft sehr ernstnimmt und einen deutlichen ausbau dieser “geschäftssparte” avisiert. während cassidian verstärkt am fluggerät arbeitet ist rheinmetall für die nutzlast, also tk-technik, aufklärungssensoren etc. (das so genannte „payload“) zuständig.

kzo-drohnen baut rheinmetall schon lange, es kaufte auch die drei heron-drohnen von der israelischen iai, um sie nach aufrüstung und umbau an die bundeswehr für den „einsatz“ in afghanistan zum leasing anzubieten und daran zu profitieren.

ebenfalls gemeinsam mit iai entwickelt rheinmetall derzeit eine neue drohne namens talarion. nähere angaben hierzu wollte rheinmetall nicht machen, auch die frage über eine eventuelle bewaffnung wurde nicht beantwortet, was eine entsprechende deutung in den raum stellt, dass rheinmetall eine solche kampfdrohne zu fertigen beabsichtigt. doch schon jetzt werden kzo-drohnen im drohnenverbund mit kampfdrohnen anderer hersteller eingesetzt (projektname: wabep: kzo-drohne als aufklärerdrohne im verbund mit iai-kamikaze-drohne “harop”).

das drohnengeschäft bei rheinmetall umfasste 2011 mehr als 50 mio euro, die bundeswehr wird weitere kzo-drohnen im wert von 10 bis 12 mio euro anschaffen.

rheinmetall will in bremen ein deutsches „drohnen-zentrum“ aufbauen (siehe auch ohb-bericht bzw. taz-beitrag) und erhält in diesem zusammenhang als teil eines konsortiums unter anderem einen zuschuss aus der öffentlichen hand, also vom bremer senat in höhe von mehr als 1,5 millionen euro. dieser zuschuss war an die bedingung gekoppelt, dass dort ausschließlich zivile forschung betrieben werde (!).

ein schlechter witz angesichts der von rheinmetall auf der hauptversammlung auf nachfrage getätigten feststellung, dass man keinerlei zivile drohnen entwickeln oder herstellen würde!

 

auslandsgeschäfte

rheinmetall liefert in 85 länder, besonders hohe zukunftschancen meint man zu finden in:

  • nordischen länder (skandinavien)
  • usa
  • brasilien
  • australien
  • naher osten
  • russland

aber etwas konkreter:

erstmals hat rheinmetall den fuß in das russische kriegsgeschäft bekommen und den auftrag eines „combat training center“ im wert von mehr als 100 mio euro (!) erteilt bekommen. darüber freut sich rheinmetall ausdrücklich und ganz besonders.

für australien will man mehr als 2.000 stück geschütze transport-lastkraftwagen fertigen.

in algerien wird rheinmetall eine fertigungslinie für hochwertige fuchs-transportpanzer errichten. der umfang dieser kooperation beträgt mehr als 1.000 mio, also 1 milliarde euro! zunächst ist von der fertigung von 980 stück der amphibischen radpanzer für den eigenbedarf der algerier innerhalb der ersten 10 jahre die rede, später möchte man von dort aus den afrikanischen markt erschließen.

in den vereinigten arabischen emiraten (vae) hat rheinmetall eine munitionsfabrik errichtet, zunächst in form eines joint ventures mit einer rheinmetall-beteiligung von 40%. jüngst hat man diesen anteil allerdings an ein vae-unternehmen verkauft, so dass diese anlage nun ganz in vae-händen ist. auf nachfrage erklärte man sich zwar nicht zu den sinn und hintergrund dieser transaktionen und teilte nicht mehr mit, als dass vae dort munition für den „lokalen bedarf“ herstellen würde.

in indien ist die rheinmetall air defence aufgrund von korruptionsvorwürfen (die von rheinmetall selbstverständlich gänzlichst zurückgewiesen werden) für 10 jahre auf die so genannte schwarze liste geraten, darf also über diesen zeitraum keinerlei geschäfte mehr tätigen. rheinmetall verniedlichte nachfragen hierzu, dass das kein problem sei, denn hier seien sowieso derzeit keine geschäfte anhängig. (wie auch, wenn man auf der schwarzen liste steht …) es bleibt den spekulationen vorbehalten, warum es rheinmetall nicht schafft, die angeblich haltlosen vorwürfe aus der welt zu schaffen.

an saudi-arabien sollen eventuell 200 bis 270 leopard-2-panzer der neueste generation a7+ geliefert werden, wie man den presseberichten des letzten jahres entnehmen kann. fragen hierzu weicht rheinmetall aus und stellt klar, dass ihnen kein solcher auftrag derzeit vorliegen würde und sowieso krauss-maffei und nicht rheinmetall der offizielle auftragnehmer wäre. nachfragen, inwieweit dieses modell für die niederschlagung von protesten und für den straßenkampf in städten geeignet sei, weicht rheinmetall mit der lakonischen bemerkung (sinngemäß) aus, dass ja wohl klar sei, dass es sich beim leopard eindeutig um einen panzer und nicht um irgendetwas anderes handeln würde. ob dieses kriegsgerät nun ideal für so einen „einsatz“ ist oder nicht: wer sich die ausrüstung inklusive des für einen panzer ungewöhnlichen räumschilds und des verkürzten schussrohrs näher ansieht, dem dürfte klar sein, dass die herrscher saudi-arabiens damit nicht an einen kampf im offenen gelände gedacht haben dürften. über einen imageschaden im falle des bekanntwerdens der rheinmetall-verstrickungen bei etwaigen niederschlagungen demokratischer bewegungen machen sich die verantwortlichen ausdrücklich keine sorgen.

indonesien möchte leopard-2-panzer aus „überschuss-beständen“ der bundeswehr kaufen. die rückfrage, ob es hierzu anfragen oder aufträge über modernisierungsarbeiten gäbe wird mit nichtwissen beantwortet.

mit der us-firma general dynamics ordnance and systems (gd-ots) wurde ein joint-venture gegründet, um 120mm-panzermunition (auch mit wolfram gefüllte wuchtgeschosse) herzustellen, um damit den amerikanischen panzer-munitions-markt besser bedienen zu können. gemeinsam möchte man neue neue 120mm-wucht- und „mehrzweck“-munition des typs gm-11 entwickeln und produzieren.

in kanada fertigt rheinmetall unter dem kürzel casw (close area supression weapon) einen 40 mm-granatwerfer, möchte bis zu 308 stück davon fertigen, was einen umfang von 70 mio euro bedeutet. für dieses waffensystem (nlw-fähig?) sieht man danach gute exportchancen.

für malaysia werden 2015-2017 „aufklärungkomponenten“ von simrad geliefert, gesamtumfang von bis zu 50 mio euro.

den höchstmodernen schützenpanzer vom typ puma möchte man gerne in alle länder verkaufen, die auch den leopard-panzer eingekauft haben. überdies würde sich dieses kriegsgerät aber auch für alle länder anbieten, in denen „asymmetrische verhaltenslagen“ existent sind … (also ein prima-panzer für alle nationen.)

 

sonstiges

zum stichtag 31.12.2011 hielt rheinmetall hermes-bürgschaften im wert von 140 mio euro.

hinter den begriff crows bzw. crows-2 verstecken sich auf fahrzeugen und panzern installierte waffensysteme (z.b. “protector super lite”), die im fall von beschuss ferngelenkt werden können. der umfang der crows-2-verträge umfasst herstellung und lieferung von 6.500 systemen im wert von etwa 1 milliarde us-dollar. rheinmetall ist mit der lieferung von komponenten an diesem geschäft beteiligt.

rheinmetall ist an einem bremer technologie-konsortium namens marissa beteiligt, in dem es um maritime sicherheit und überwachung gehen soll. es scheint klar zu sein, dass dabei auch die überwachung und somit abwehr unerwünschter flüchtlinge, z.b. aus afrika geht. nachdem rheinmetall auf nachfrage zu einzelheiten hierzu zunächst behauptete, man wisse nicht, was marissa sei, konnte dieses auf konkreten hinweis durch den fragesteller zum ende der hv geklärt werden. man gab sich unwissend und behauptete, an diesem unternehmen nicht beteiligt zu sein. die homepage des projektes weist allerdings etwas anderes aus: www.marissa-bremen.de – offensichtlich stand dem back-office kein internet zur verfügung …

ebenso meinte man, ein projekt namens agsas nicht zu kennen. trotz deutlicher aussprache des fragenden mag das an akustischen problemen gelegen haben. nachdem dieser in einer zweiten fragerunde auf die seite 35 im rheinmetall-geschäftsbericht verwies, wo es um genau dieses projekt ging, verstanden auch die rheinmetall-verantwortlichen den zusammenhang und erläuterten, dass es sich dabei um das „herold-projekt“. agsas steht für „air ground surveillance and alert system“. ein besteht ein vertrag mit ksa in bremen, das auftragsvolumen ist ca. 20 mio. euro.

rheinmetall hat auch 2011 wieder massive parteispenden getätigt. insgesamt 402.000 euro wurden gespendet. leider wurde entgegen der fragestellung keine aufschlüsselung nach parteien vorgenommen sondern nur nach den spendenquellen. auch sponsoring und unterstützung kultureller und gemeinnütziger einrichtungen seien darin enthalten. die rheinmetall ag spendierte davon 138.000 euro, die defence-sparte 114.000 euro und die automotive-sparte 150.000 euro.

zu folgenden fragen bzw. projekten wollte rheinmetall keinerlei auskünfte geben:

die kommentarfunktion ist derzeit geschlossen.